Fingernägelkauen

KLIENT
Junge, 12-jährig

WAS VOR MINDTV VERSUCHT WURDE
Keine fürs Fingernägelkauen. Für die Behandlung einer Tierhaarallergie war er bei der Bioresonanz.
ANLIEGEN
Fingernägelkauen, sahen bei dem Erstgespräch wirklich übel aus.
RELEVANTE INFORMATION
Gemäss dem Vorgespräch ist der Junge sehr hilfsbereit und geht seinen eigenen Weg. Es wird aber auch angemerkt, dass sein Selbstwertgefühl nicht sehr hoch sei. Auch kann er sich schlecht motivieren.
INNERE WELT
Seine innere Welt ist geprägt von Bäumen, nicht näher bezeichneten Tieren und einem sehr ausführlich beschriebenen Brunchbuffet 🙂

Bei der Folgesitzung war die innere Welt viel mehr bevölkert und es hatte Meerschweinchen. Insbesondere waren auch die Familie und diverse Kollegen da.

SCHRITT 1
Nervosität. Insbesondere bei Schulsport und noch schlimmer bei Wettkämpfen.
SCHRITT 2
Er geht in eine Situation des Turnvereins von vor zwei Tagen, sie spielen Basketball und die Nervosität ist ihm von aussen anzusehen. Auch wirkt er im Sessel eher fahrig. Das wandeln wir in ein Objekt um.

Hier wurde es knifflig, da der Junge ein klares Bild des Objektes hatte. Ich fasste in etwa so zusammen: Rechteck, im Brustbereich, grün mit gegen aussen auslaufenden Zacken. So ähnlich wie eine Briefmarke. Seiner Mutter erklärte er später, er habe sich dann mit dieser Beschreibung zufrieden gegeben, obwohl die Zacken nicht wirklich so zackig gewesen seien, sondern mehr so wie Fransen.

SCHRITTE 3 & 4
Mit 8 Jahren, beim zVieri essen mit einem Kollegen. Irgendwie ist die Stimmung gereizt und nervös. Er beobachtet, dass sein Kollege an den Fingernägeln kaut und einen ruhigen Eindruck auf ihn macht, während ihm wirklich unwohl ist. Er beruhigt sich sichtlich, nachdem er erklärt, er kaue nun auch auf den Fingernägel rum. Das Gefühl wird sauber zerlegt (selbstgemacht) und mit einem neuen Gefühl der leere Platz gefüllt: „graues Mutgefühl und da steht mit roten Buchstaben MUTIG darauf“ wird gewünscht und umgesetzt.

Bei 9 Jahren ist noch ein kleiner Rest von einem Rechteck zu erkennen, was sofort zerlegt und mit dem gleichen guten Gefühl ersetzt wird.

DDGM
Der IF ist identisch, jedoch „viel cooler angezogen“. Auch er hatte dieses Rechteck, konnte es hier jedoch nicht mehr finden. Der Körper ist – bis auf die Fingernägel – unversehrt und gibt sämtliche Macht an AF/IF.

ADD-ONS
Natürlich der Gewohnheitsbaum. Er findet zwei negative Früchte: eine Braune und eine komplett verfaulte. Die Braune steht laut ihm für „den kleinen Bruder prügeln“ und die Faule für die angekauten Fingernägel. Später erklärt mir die Mutter, dass der kleine Bruder oft Ärger sucht und mein Kunde sich dann einfach wehrt. Bei der Folgesitzung erwähnt mein Kunde, dass sein Bruder auch zu mir kommen sollte. Mal sehen, was da noch kommt…

Beide Früchte, die Faule und die Braune, werden entsorgt und mit „ich bin mutig“-Früchten ersetzt.

Bei der Folgesitzung arbeitet ich mit dem Müllsack.

HAUSAUFGABEN
2-3 mal täglich sich selber laut sagen: „ich bin mutig“. Und zur Erinnerung daran, gibt ein blaues Armband.
SCHWIERIGKEITEN
Das „Herantasten“ war unüblich. Eigentlich war das Problem nach einer Sitzung behoben und die Folgesitzung war dann noch eine kleine Ehrenrunde, welche dem Jungen – nachdem wir die innere Welt, das DdgM und den Gewohnheitsbaum überprüft hatten – noch einmal so richtig Selbstvertrauen gab. Es brauchte aber im Vorfeld kurze Sitzungen um sich kennenzulernen und eine kurze Probeentspannung zu erleben. Ich bin aber überzeugt, dass wenn wir bei der ersten Sitzung das ganze Programm gemacht hätten, wir nie diesen Erfolg gehabt hätten.
ERGEBNIS
Ich könnte heulen vor Freude: die Mutter meldet voller Freude (und auch etwas ungläubig), dass sie ihm seit unserer Sitzung die Fingernägel schneiden müsse/dürfe. Die Familie und das nähere Umfeld stellt fest, dass er offener sei und viel zugänglicher. Und das teilweise von Menschen, die nicht wissen, dass er bei mir in Therapie ist.

Der Junge selber war bei der Folgesitzung so happy. Er hat es selber geschaft, das Fingernägelkauen zu überwinden und scheint mir sehr viel Selbstvertrauen zu tanken. Er erwähnt, dass er in der Schule und insbesondere beim Sport ruhig sei und viel lieber seinem nervenden Bruder gegenüber. Allerdings kann er nicht ausschliessen, dass er, sollte sein Bruder weiterhin dermassen provozieren, doch einmal zurück schlägt (kann ich ihm nicht verübeln). Die Fingernägel sahen bei der Folgesitzung so richtig gepflegt aus, was er mir auch ganz stolz zeigt.

Danke an:
Olivier Gerig

FEEDBACK, GEDANKEN & TIPPS

Innere Welt:
Ich musste grinsen, als ich das vom Brunchbuffet las. 😊 So, wie du das beschreibst, war dort in der IW kein negatives Gefühl, welches zu bearbeiten war. Alles gut also.

Schritte 1-4:
Ja, manchmal ist es schwierig, nachzuzeichnen, wie das beschriebene Objekt des Klienten aussieht. Zum Glück ist das für den Erfolg gar nicht so wichtig; Hauptsache, der Klient nimmt es selbst gut wahr. Ihr habt hier sehr gut gearbeitet und das Objekt auf allen Ebenen entfernt. Bravo!

DdgM:
Ich erlebe es bei Kindern oft, dass der IF als cooler wahrgenommen wird. 😊 Auch hier habt ihr gute Arbeit geleistet, ein tolles Team gebildet und das DdgM ausgeglichen. Hier hätte ich vielleicht noch ein Gespräch mit dem Körper geführt und dafür gesorgt, dass die Fingernägel dem Klienten verzeihen. 😉

Add-on:
Klar, der Gewohnheitsbaum! 😊 Ihr habt dort zwei faule Früchte gepflückt (witzig, dass „Bruder prügeln“ als Gewohnheit dort hing) Gut gemacht!

Hausaufgaben:
Du hast gute Hausaufgaben und einen stimmigen Schlüsselsatz kreiert.

Da habt ihr ja richtig tolle Arbeit geleistet!! Was mir besonders gefällt ist deine Aussage “ Er hat es selber geschaft, das Fingernägelkauen zu überwinden“. Genau darum geht es doch auch bei mindTV: wir bringen unseren Klienten bei, wie sie sich selbstwirksam helfen können. Das hast du richtig gut erkannt. 😊