Fingernägelkauen & schnell die Fassung verlieren

KLIENT
Junge, 12-jährig

WAS VOR MINDTV VERSUCHT WURDE nichts
ANLIEGEN Fingernägel kauen. Ungefähr seit einem Jahr verliert er schnell die Fassung, schreit und weint.
RELEVANTE INFORMATION Klient ist ein 8 – jähriger Junge. Er kommt aus einer intakten Familie, mit seinen Geschwistern versteht er sich gut. X ist lebhaft, hilfsbereit, freundlich, gut in der Schule, spielt Fußball. Während des Fußballspiels ist er so aufgeregt, dass er seine Finger ganze Zeit im Mund hat. Die Mutter vom Klient hat als Kind auch Fingernägel gekaut.
DENKRÄDER Er hatte 16 Denkrädern, 8 große und 8 kleine. Sie waren alle in Ordnung, der Klient hat keine Auffälligkeiten visualisiert.
INNERE WELT Die Treppe zu seiner IW hat er bunt und glitzern visualisiert. Auf der Tür klebte ein Foto von seiner Mama. Die IW war hell und fröhlich, da war ein großer Palast, schöne Bäume, Blümchen und Tiere. Seine ganze Familie und Freunde waren auch dort. Alles war wunderbar, bis ich gefragt habe, ob er etwas sehen kann, was ihm nicht gefällt. Sein Gesicht wurde ernst und er sagte, dass er in seiner IW ein Hammer mit Augen sehe, der rum läuft und seine mit Juwelen geschmückte Schatztruhe, die mit guten Gefühlen gefüllt ist, zerschlagen möchte. Auf die Frage ,,Warum möchte er das tun?“ antwortete er:“ Weil er in die Schatztruhe Schimpfwörter, gemein sein, böse sein rein tun möchte.“ Den Hammer hat er im Kopf gespürt.

— Grundbereinigung —

SCHRITT 1 Situation 1. Gefühl 1. Wir gehen zum Fußballplatz, X spürt Angst: „ Ich kann nicht so schnell laufen.“ Er sieht die Angst als Maul mit Zähnen in den Beinen. Situation 2. Gefühle 2 und 3. Wir gehen in die Schule. X wird geärgert, spürt Angst um seine gute Gefühle als (Hammer)im Kopf und Traurigkeit(schwarzes Ball) in der Brust. Situation 3. Gefühl 4. Wir gehen nach Hause. X schaut den Film „Kevin-Allein zu Hause“. Er findet ihn so aufregend, dass nur Fingernägel kauen hilft ihm das zu ertragen. Die Aufregung sieht er als ein Maul mit Zähnen im Kopf.

SCHRITT 2

– Gefühl 1: Angst“ Ich kann nicht so schnell laufen“ als Maul mit Zähnen in den Beinen.
-Gefühl 2: Angst um seine gute Gefühle als Hammer im Kopf.
-Gefühl 3: Traurigkeit als ein schwarzer Ball in der Brust.
-Gefühl4: Aufregung als Maul mit Zähnen im Kopf.

SCHRITTE 3 & 4 -Gefühl 1. X findet sich mit 6 Jahren. Er spielt Fußball, er ist sehr aufgeregt und denkt“ Ich kann nicht so schnell laufen.“ Das Gefühl hat er selbstgebaut. -Gefühl 2. Die erste Erinnerung hat er mit 4 Jahren auf dem Spielplatz. Das Gefühl hat er von einem Mädchen bekommen. Die Folgeerinnerung hat er mit 8 Jahren. Er wird in der Schule von zwei Jungs geärgert und als Toilettenwaschlappen genannt. Das Gefühl hat er selbst gebaut. Gefühl 3. Das Objekt findet X mit 8 Jahren. Er wird in der Schule geärgert und Toilettenwaschlappen genannt. Das Gefühl hat er selbst gebaut. Gefühl 4. Aufregung sieht er mit 7 Jahren. Ein Mädchen aus seiner Klasse gesteht ihm seine Liebe. Diese Situation ist ihm peinlich, er ist deswegen aufgeregt. Das Gefühl hat er selbst gebaut.
REFRAMING Situation 1 Fußball. X zieht Maul mit Zehnen 3 mal aus beiden Beinen raus und ersetzt es mit regenbogenfarbigen Ruhe und Spaß. Er bekommt vom Fußballtrainer Zaubersportschuhe geschenkt und kann damit laufen so schnell, wie er möchte. Er erlebt sich mit neuen Schuhen im Fußballspiel, ist schnell wie eine Rakete, glücklich , selbstzufrieden und erleichtert. Situation 2. Gefühl 2 und 3. Mit 4 Jahren, auf dem Spielplatz, gibt er das Gefühl dem Mädchen zurück und vergibt ihm. Mit 8 Jahren als er beschimpft wird, sieht er Angst( Hammer) und Traurigkeit(Maul). X schnappt den Hammer und schmeißt ihn 3 mal ganz, ganz weit weg. Er ersetzt die Angst gegen Mut ( großer, gütiger, Löwe). X geht zu seiner Schatztruhe mit guten Gefühlen und bittet den Löwen sie immer zu bewachen. Der Löwe macht das sehr gerne, die Schatztruhe ist in Sicherheit. X fühlt sich sicher. Traurigkeit ( Maul) entfernt er 3 mal und ersetzt es durch glitzerndes Lachen. Er kauft Zauberkopfhörer ( bunt). Die Schimpfwörter auf dem Weg zu ihm verwandeln sich ins Lachen, und sie können ihn nicht mehr traurig machen. Situation 3.Gefühl 4. Mit 7 Jahren Aufregung (Maul mit Zähnen). X entfernt das Gefühlsobjekt 3 mal und füllt die Lücke mit sich wohlfühlen ( Insel, Palmen, Sonne ) aus. Er versteht jetzt, dass es etwas schönes ist, wenn ein Mädchen ihn mag. Er erlebt diese Situation paar mal, spürt Sonne und fühlt sich wohl dabei. Wir haben 1 Jahr in die Zukunft geblickt und keine Gefühlsobjekte gefunden.

— Detailanalyse —

DDGM ZUSTAND
Der IF sieht gleich groß und alt, glücklich, selbstbewusst und gesund aus.
Die negativen Objekte hatte er auch, hat aber selbstverständlich während der Überarbeitung der Zeitbrücke entfernt.

Der ÄF war auch frei von Objekten, sah gleich alt, groß, gesund und selbstbewusst aus.

Danach holten wir noch den Körper, welcher auch keine Objekte hatte und mit dem alles in Ordnung war. X hat seine Finger um Verzeihung  gebeten und Körper hat ihm verziehen.

DDGM INTERAKTION Der IF und ÄF haben Frieden mit einander, sie sind freundlich zum Körper, und der Körper fühlt sich zwischen den beiden wohl. IF , AF und Körper achten auf einander und arbeiten zusammen.

DDGM MACHTVERHÄLTNISSE Der ÄF hatte 40% , IF 40% , Körper 20% Der Körper gibt die 20% ohne Probleme den beiden Freunden ab.

— Weitere Einzelheiten —

ADD-ONS Natürlich der Gewohnheitsbaum. Er findet zwei negative Früchte: eine Braune und eine komplett verfaulte. Die Braune steht laut ihm für „den kleinen Bruder prügeln“ und die Faule für die angekauten Fingernägel. Später erklärt mir die Mutter, dass der kleine Bruder oft Ärger sucht und mein Kunde sich dann einfach wehrt. Bei der Folgesitzung erwähnt mein Kunde, dass sein Bruder auch zu mir kommen sollte. Mal sehen, was da noch kommt… Beide Früchte, die Faule und die Braune, werden entsorgt und mit „ich bin mutig“-Früchten ersetzt. Bei der Folgesitzung arbeitet ich mit dem Müllsack.

HAUSAUFGABEN
Täglich seine Mindraum zu besuchen und dort alle Einstellungen zu kontrollieren.

Ich habe den Satz „ Ich bin der Chef meines Körpers und ich habe schöne Fingernägel.“ auf einen Zettel geschrieben. Er soll ihn 2,3 mal am Tag wiederholen.

Weil X sehr gerne und viel malt, und weil fast alles, was er visualisiert hat, bunt und glitzernd war, haben wir ein Bild gemalt. Auf dem Bild hat er ein Regenbogen über dem glitzerndem See gemalt und wie er selbst in diesem See schwimmt. Ich male auch sehr gerne und hatte zum Glück auch Glitzerstifte da. Das Bild soll neben seinem Bett oder neben dem Arbeitstisch hängen.

SCHWIERIGKEITEN Der Junge war etwas unruhig, hatte einen starken Bewegungsdrang. Trotz seiner Unruhe war er in den Momenten, in denen er etwas verarbeiten musste, still und konzentriert.
ERGEBNIS X hat viel seltener seine Finger im Mund, er kann jetzt ein Film anschauen ohne Fingernägel zu kauen. Seine Nägel sehen viel besser aus. Zweite Sitzung ist geplant. Er beginnt immer noch schnell zu weinen, wenn es nicht so läuft, wie er möchte, aber im allgemeinen ist er fröhlicher und entspannter geworden.

FEEDBACK, GEDANKEN & TIPPS

Denkräder: Hier wurde nichts Negatives visualisiert, also alles gut. Innere Welt: Sehr schön, wie du hier reagiert hast und gleich das negative Gefühl gefunden hast. Ich bin mir nicht sicher, ob du zum Schluss der Sitzung nochmals zurück in die innere Welt gegangen bist, um zu überprüfen, ob dort nun alles in Ordnung ist? Gerade dieser „Kontrollbesuch“ der IW ist nach der Sitzung eine tolle Bestätigung, was schon alles erreicht wurde. Schritte 1-4: Hier habt ihr sauber und gründlich gearbeitet. Gutes Reframing und ganz tolle Ideen, wie negative Gefühle ersetzt werden können. Der gütige Löwe gefällt mir ganz besonders – toll gemacht! DdgM: Auch hier wurde nichts ausgelassen, ihr habt die drei Ebenen toll überprüft und zusammengeführt. Add-ons: Du hast hier mit wunderbar stimmigen, tollen Add-ons gearbeitet und deinen Klienten mit vielen zusätzlichen Elementen ausgerüstet! Erfolgsaufgaben: Schön, dass ihr zusammen noch ein Bild gemalt habt – eine super Idee! Auch der Mindraum eignet sich wunderbar als Hausaufgabe. Tipps: Es ist ganz und gar nicht ungewöhnlich, dass Kinder sich oft bewegen, die Augen öffnen, Zwischenfragen stellen usw. Geh damit ganz gelassen um. 😊 Hauptsache ist, dass bei wesentlichen Prozessen die Konzentration da ist – und das hat hier ja wunderbar geklappt! Wenn du den Klienten nochmals siehst, achte darauf, ganz gute Arbeit mit dem IF zu machen: dass er immer noch schnell weint zeigt, dass hier die Balance immer noch nicht ganz stabil ist. Lass ihn also zusammen mit seinem IF einige Momente erleben, wo es auf das Team ankommt. Wenn er dann spürt, wie stark, ausgeglichen und verwurzelt er zusammen mit seinem IF ist, dann lass ihn die Hände falten und ihn dieses Gefühl ganz deutlich spüren. So setzt du auch gleich einen Körperanker, der ihm dabei hilft, auch die Fingernägel nicht zum Mund zu führen.